Es werde Licht! Und es ward Licht …

Es werde Licht! Und es ward Licht.

Mit diesem biblischen Worten aus dem Buch Mose, um genau zu sein Genesis, 1. Mose 3, möchte ich meinen heutigen Bericht beginnen.

In dem nun folgenden Bericht geht es über meine gewonnen Eindrücke und Wahrnehmungen des Lautsprecherpärchen Clarisys Audio Minuet.

Es werde Licht! Und es ward Licht.
Das komplette Test-Szenario vom Sitzplatz aus gesehen.

Die Teststellung

Es ist ja nicht so, als wenn ich nicht schon in der Vergangenheit das ein oder andere elektronische Gerät oder auch Lautsprecherpärchen von Hersteller, Vertrieben oder Händlern zum Testen gestellt bekommt hätte, aber diesmal war es dann doch etwas ganz besonderes.

Mir wurde etwas zuteil, was sicherlich sich in dieser Form nicht so schnell wiederholen wird. Denn der Schweizer Vertrieb, verantwortlich für Clarisys Audio in Europa, bot mir als erstem Endkunden ein Pärchen Minuet an um dieses in den eigenen vier Wänden ausgiebig zu testen. Und solch ein Angebot kann man ja nicht wirklich ausschlagen.

So kam es dann, das ich an einem im Vorfeld abgestimmten Freitagnachmittag Besuch bekam und damit auch eine Wagenladung Lautsprecher plus etwas Verstärkerelektronik. Wie bekommen wir die Lautsprecher, sie kamen jeweils gut verpackt in einem eher unhandlichen Flightcase in den Hörraum. Tatsächlich mussten wir uns einiges einfallen lassen um die 75kg je Lautsprecher, mit Flightcase 85kg, zum Zielort zu bugsieren. Aber da wir ja zum Glück zu zweit waren, alleine kann man einen gesicherten Transport vergessen, war das mit etwas Kraft und Geschicklichkeit machbar. Nach einer Stunde waren beide Transportkisten und der Verstärker im Hörraum und wir begannen mit der Montage. Es mussten die beiliegenden Füße unter beide Lautsprecher geschraubt werden.

Schon zu diesem Zeitpunkt erfuhr ich etwas über die Anfass- und Materialqualität dieses Folienlautsprechers. 75kg für einen ca. 120 cm hohen Magnetostaten sind doch eher selten auf dem Markt vorzufinden. Ich habe es nicht nachgemessen, aber das Lautsprechergehäuse hat sicherlich eine Tiefe von 8 bis 10 cm. Und die vorgefundene Rahmenkonstruktion war unfassbar Verwindungssteif und in sich stabil. Selten hatte man durch die Lautsprecherhaptik das Gefühl das bei diesem Lautsprecher nur die Treiber, also die verbauten Folien, schwingen werden. Auch beim anschrauben der Füße war es gut das eine zweite Person zur Hilfestellung vor Ort war. Nach 90 Minuten standen die Minuet im Raum und konnten verkabelt werden.

Der Lautsprecher

Die Minuet, als klassischer Dipol-Magnetostat aufgebaut, besitzt zwei sichtbare Öffnungen in denen die Folien verbaut sind. Hinter der schmalen Öffnung befindet sich die Mittel- und Hochton Sektion und in der Großen Öffnung schlägt das Herz der Bassabteilung. Die Minuet selbst bei Clarisys Audio das Einstiegsmodel in die Firmeneigene Welt der Flächenstrahler dar.

Hier einige technische wie auch sonstige Daten zum Lautsprecher.

  • Zwei Wege System mit passiver interner Frequenzweiche.
  • Trennfrequenz liegt bei 330 Hertz.
  • Nominale Impedanz bei ca. 3,5 Ohm.
  • Größe: 121 x 70 x 9 cm (Höhe x Breite x Tiefe).
  • Gewicht: 75 kg (mit Füßen und ohne Verpackung).
  • Anschlussterminal ist für Bi-Wiring wie auch Bi-Amping ausgelegt.
  • VK-Preis: 26.000 US Dollar/Paar. Inklusive Versand und Zoll (Stand: Mai 2022)
  • 3 Jahre Garantie

Zur Geschichte

Haben Sie sich nicht auch gefragt woher ihnen die Gehäuseform bekannt vorkommt? Nun, diese Frage kommt nicht von ungefähr und ist auch nicht unberechtigt.

Die Minuet, bzw. Ihre Bauform, gab es bereits in der Vergangenheit auf dem Lautsprechermarkt. Und zwar vor 1996. Damals ging zu diesem Zeitpunkt der Stern einer amerikanischen Lautsprecherfirma gerade unter. Wir reden hier von der amerikanischen Firma Apogee.

Nicht nur das Aussehen ist ein gemeinsamer Nenner beider Unternehmen. Auch die in der Minuet zum Einsatz kommende Folien hat Ihre konzeptionellen Ursprung in einer der letzten von Apogee auf den Markt gebrachten Lautsprecher, der Apogee Studio Grand, übernommen und im Detail verbessert. So wurde auch in der Minuet die verwendete Folie eine hochkant gefaltete Folie im Rahmen eingespannt. Durch die konzeptionelle Verdopplung der Folienoberfläche konnte man, zumindest bei der Minuet, die üblicherweise schlechten Impedanz werte die bei Flächenlautsprechern regelmäßig vorzufinden sind, verhindern.

Die Aufstellung

Im nächsten Schritt, eigentlich war es über die kommenden drei Wochen ein stetiger Prozess, ging es um die günstigste Aufstellung in meinem ca. 20 qm² großen Hörraum. Dazu entfernte ich zuerst einmal meine eigentlichen Lautsprecher aus dem Raum um dem Dipol der Minuet die nötige Wandfläche zur Verfügung zu stellen.

Was die Bassqualität anbetraf, so fand ich bei ca. ein Drittel der Raumtiefe eine gute Position. Bei ca. ein Fünftel Abstand zur Seitenwand kamen dann die Dipole in der Raumbreite zum Stehen.

Eine sehr leichte Einwinklung zum Hörplatz erwies sich als günstiges Hilfsmittel um eine verbesserte Bühnenabbildung zu verfestigen.

Das technische Umfeld

Hauptsächlich wurde über CD zugespielt. Hier und da wurde auch mal eine Schallplatte aufgelegt. Aber die Hauptlast erfolgte über die Digital Sektion. Als Verstärker kamen ein Goldmund Telos 590 Nextgen II, ein ASR Audio Emitter 1 und eine Unison Research S9 zum Einsatz.

Es werde Licht! Und es ward Licht.
Der Handschrift des Goldmund als Plakette

Der Goldmund wurde sowohl mit seinem internen DAC als auch mit dem internen DAC des CD-Players gehört. Kam der ASR oder die Röhre zum Einsatz wurde sowohl der interne DAC des CD-Player wie auch über einen externen DAC (rega) zum Einsatz.

Es werde Licht! Und es ward Licht.
Alle drei Verstärker auf einen Blick.

Der Klangeindruck

Wenn man dem Klangkonzept des Dipollautsprechers grundsätzlich offen gegenübersteht erhält man mit der Minuet einen Lautsprecher der einen die faszinierende Welt der Musik anbieten kann. Was die Auflösung der Musik im Raum anbetrifft so erhält man eine sehr gute Bühnendarstellung. Ist die Klangmitte mit der Aufstellung der Lautsprecher erst einmal gefunden so erhält man eine wirklich frappierende Raumabbildung in allen drei Dimensionen. Einer der Vorteile eines Flächenstrahlers ist die Bruchlose Darstellung vom Bass bis zum Hochton. Auch die Schnelligkeit mit der die Lautsprecher agieren, kann dem geneigten Zuhörer zum Staunen bringen. Feinste Details werden mit authentischer Geschwindigkeit, sowohl beim Ein- und auch Ausschwingen, aufgezeigt. Man bekommt ein Klanggemälde serviert ohne gezielt nach Inhalten zu suchen. Details werden einfach im Raum platziert und sind präsent. Und je größer der Raum desto prägnanter werden diese Attribute. Das kann man bereits in meinem Raum erfahren. Und was das Thema Bass anbetrifft so kann man nur ganz verblüfft schauen was da einem mit der Minuet geboten wird. Infected Mushrooms bei 95 oder 100 db? Kein Problem. Ist machbar. Yello ebenso kein Problem.

Wenn eines bei diesem Lautsprecher nicht fehlt, ob laut oder auch leise gespielt, dann war es der Bassbereich. Es knarzt und hämmert nach Belieben.

Wer Flächenstrahler dieser Güte (noch) nicht kannte, ertappt sich auf einmal bei der Suche nach dem externen Subwoofer. Man mag auf den ersten Blick nicht glauben dass diese Bassattacken in Tiefe und auch Dynamik aus diesen Folien geliefert werden. Einfach erstaunlich.

Spätestens jetzt kann/könnte man sein Herz an diesen Dipol verlieren.

Die Minuet mag zwar nicht die Direktheit eines Horns besitzen. Sie mag auch nicht die Bassgewalt eines dynamischen Großsystems besitzen. Aber sie spielt mit einer ihr eigenen Gelassenheit und Auflösung und füllt den Raum mit Musik ohne den Hauch einer Angestrengtheit. Dies ist einfach ergreifend und kann zum nachhaltigen Staunen verführen.

Der Goldmund war an dieser gezeigten Performance da nicht ganz unbeteiligt. Seine Kontrolle über die Folienbewegungen des Lautsprechers plus die Differenziertheit und Schnelligkeit des internen DAC vermochte dem ganzen Musikgeschehen noch etwas mehr Authentizität und Nachdruck zu verschaffen

Die beiden CDs „Sketches of Seasons“ wie auch der UHQCD „Flamenco“ waren für mich ein absolut klangliches Highlight. Auf der Flamenco CD glaubte man das Klappern der Kastagnetten mitzählen zu können. Die Kastagnetten schienen im Raum sichtbar.

Auf der „Army of Infected Mushrooms“ konnte man Synthesizer Sequenzen, die ich bisher immer nur als stetig ansteigenden Bassverlauf wahrgenommen hatte, als eine Abfolge von aneinander gereihten Lautstärkesprünge erkennen. So hatte ich das Album der Israelischen Techno-Band noch nicht gehört.

Fazit

Die Minuet ist für mich ein Lautsprecher der klanglich auf fast allen Bereichen der Musikdarstellung zu überzeugen weiß. Es gibt eigentlich nichts was die Minuet nicht irgendwie gut kann.

Wenn man denn unbedingt einen Kritikpunkt suchen möchte, so könnte man diesen in der Bassqualität unterhalb 35 Hz bzw. bei Grobdynamik auf Live-Niveau finden.

Die Minuet kann schon bei leisen Pegeln sehr gut Musik reproduzieren. Ein Umstand den man unbedingt erwähnen muss. Bei Zimmerlautstärke merkt man schon welch Potential sich in dem Lautsprecher verbirgt. Die Spielfreude ist einfach ergreifend. Und wenn man dann die 70db passiert hat dürfte selbst der letzte Skeptiker aus dem Grinsen gar nicht mehr raus kommen.

Die Minuet ist ein Lautsprecher der sehr vieles richtig macht und kaum einen Schwachpunkt hat.

Wenn man in der Lage ist der Minuet eine ordentlich abgestimmte Musikkette voranzustellen und Ihr einen akustisch und größenadäquaten Raum bieten kann, ich sag mal so zwischen 35 und 40 qm ², erhält der geneigte Zuhörer eine musikalische Gesamtlösung Lösung die ihn für die nächsten Jahre von jeglicher Komponentensuche befreit.

Ich möchte mich nochmals auf diesem Weg für die superbe Teststellung der Minuet und des Goldmund Verstärkers herzlichst bei Clarisys Audio Switzerland und insbesondere bei Florian Wiegand bedanken. Ein fettes Danke schön für diesen Support.

Links

Vertrieb: https://clarisysaudio.ch/

Zu Besuch bei einer Legende

An dem zurückliegenden Wochenende ging es für mich zu einem ganz speziellen HiFi-Besuch. Auf meinem Besuchsprogramm befand sich ein Setup welches als Highlight eine Apogee Acoustics Grand besaß. Ein Lautsprecher aus dem Bereich der Legenden. Ein Lautsprecher den man so gut wie gar nicht auf dem freien Markt findet, geschweige denn auch mal in Ruhe genießen kann. Das liegt wohl vor allem daran, dass aktuell nur noch 7 Pärchen nachweislich auf diesem Planeten existieren. Und jenes Pärchen welches ich besuchen durfte ist in der schönen Schweiz beheimatet.

Nächster Halt für mich, nach rund 750 km Autofahrt, war dann ein kleines Dorf in der Schweiz. Der Gastgeber, wir haben schon seit einer langen Zeit Kontakt über die sozialen Medien, wartete bereits auf mich und lud mich erst mal zu einen netten Plausch bei etwas Kaffee ein. Nach der Anfahrt hieß es für mich auch erstmal zu akklimatisieren.

Und dann wurde nicht lange gefackelt. Der Gastgeber machte kurzen Prozess und meinte nur lapidar. „Lass uns doch mal gleich runter gehen!“. Was soll ich sagen, soviel Drive kann man ja nicht widersprechen. Also los, auf in das aller Heiligste. Zum Glück mussten wir nicht irgendwelche Parkanlagen überwinden oder irgendeinen Schlossflügel von West nach Ost durchpflügen. Kurz und knapp ging es über eine wohnzimmernahe Treppe in den untenliegenden Wohnbereich.

Der erste Eindruck

Und mit dem letzten Schritt von der Treppe stand ich dann quasi sofort und unumstößlich in einem Zimmer der dem gemeinen HiFi affinen Menschen wie mir nicht nur den Blutdruck in medizinisch bedenkliche Höhen trieb, sondern obendrein die eigenen Wortfindungsstörungen exorbitant stiegen ließ. Ich war für einen Bruchteil von einer Sekunde gravitationsbefreit und mein vom Körper befreite geistiges Auge genoss in aller Seelen Ruhe das sich vor mir auftuende Panorama eines höchst beeindruckenden Hörzimmers. Eine wahre optische Reizüberflutung. Mein Kopf, und jenes Organ welches sich zwischen den Ohren befindet, versuchten all die verschiedenen optischen Eindrücke und Informationen die mich bedrängten irgendwie zu erfassen, zu sortieren und zu verarbeiten. Pause.

Die letzten geschriebenen Worte versuchen nur einen groben Überblick zu verschaffen was in diesem Raum zu erkennen und zu erforschen war. Ich stand in einem Raum des Who-Is-Who des HiFi Zirkus. Es ist ja nicht so als wenn das alles überraschend gekommen wäre, die Bilder des Musikzimmers sind dem ernsthaft interessierten Insider alles andere als unbekannt, aber dann doch in diesem Raum zu stehen ist irgendwie surreal. Aber schön. Ab jetzt war dann bis spät in die Nacht, also die nächsten 9 Stunden Showtime.

Der Raum

Der Raum war für den Apogee Grand einfach wie gemacht. Und diese Aussage kann man, so platt sich das auch anhört, wortwörtlich nehmen! Warum? Der Gastgeber, ich nenne ihn für die Dauer des Berichts der Einfachheit Florian, besitzt die Apogee Grand bereits seit knapp 20 Jahren. Und Florian hat seinen Lautsprecher in der Vergangenheit bereits in Räumen zwischen 30qm² wie auch 120qm² betrieben. Beim Bau seines jetzigen Schweizer Domizils hat er dann Nägel mit echten Knöpfen gemacht und die Raumdimensionierungen mit seinem Erfahrungsschatz in Einklang gebracht. Das Ergebnis, so beschrieb Florian es mir, war mit Abstand die beste Raumgeometrie wie auch Bauphysik.

Ein nackter Raum für eine Apogee? Keine gute Idee! Auch das war Florian mit Baubeginn klar. Somit stand eine akustische Behandlung des Raumes gleich nach Baufertigstellung auf dem Aktionsplan. Das ganze Musikzimmer ist mit einer Akustikdecke versehen. Berechnete wie auch in Einzeltests persönlich durchprobierte Bassabsorber und Absorber wurden im Raum entsprechend den Problemzonen verteilt und montiert. Natürlich wurden nicht nur die kritischen Bereiche hinter dem Lautsprecher wie auch hinter dem Hörplatz berücksichtigt sondern auch im Bereich der möglichen Erstreflektionen.

Das Strom Management

Das was? Doch, doch Sie haben richtig gelesen. Es folgt der Abschnitt „Das Strom-Management“. Ich sehe schon die Voodoo Priester wie sie beim Lesen dieser Worte zündelnd durch die Sozialen Medien trollen. So schlimm wird es nicht werden. Florian hat hier etwas gemacht was für mich ein echtes Highlight darstellt. Er hat jedem seiner Geräte, also auch jeder Endstufe in diesem Raum, eine eigene Stromzuleitung mit seinem eigenen Sicherungsautomaten spendiert. Das, und genau dass, nenne ich persönlich „konsequent“. Um es anders und in klar verständlichen Worten zu formulieren: In dem gesamten Setup befindet sich keine einzige Stromleiste(!)

Das Setup

Da wäre als erstes natürlich die von mir benannte Apogee Acoustics Grand zu benennen. Der amerikanische vollaktivierte 4-Weg-Lausprecher ist das dominierende Element in diesem Raum. Eingeführt wurde die Apogee Grand auf der CES 1991 und bis ca. 1998 gebaut. Der Lautsprecher kann noch mit der ein oder andern physikalischen Besonderheit aufwarten. So bringt er ca. 560 kg pro Lautsprecher auf die Waage. Und er ist je nach Untergrund min. 228cm hoch. Und er hat eine externe Frequenzweiche die Dimensionen aufweist die andere auf dem Markt befindlichen Groß-Endstufen nicht mal erreichen. Spätestens bei dem Anblick dieser Gehäuse wird eine mögliche Ehe auf eine ganz harte Probe gestellte. Zumindest dann, wenn man gedenkt seine Apogee in das heimelige Wohnzimmer zu integrieren. Bodenknappheit bei gleichzeitiger Dauerverdunkelung sind sicherlich keine förderliche Paartherapie.

Die Apogee wir mit vier Endstufen betrieben. Die beiden integrierten 12 Zoll Subwoofer werden durch zwei von Krell hergestellten und im Subwoofer Gehäuse verbauten Endstufen bedient. Die drei separaten Folien, bzw. Bändchen werden durch drei exquisite Goldmund Telos 600 und einer Goldmund Telos 200 angesteuert.

Als Musikquelle stehen dem Zuhörer eine analoge Phonosektion mit einem Vinyl Laufwerk wie auch eine digitale Sektion mit CD und roon-Client zur Verfügung.

Der Tonabnehmer, eine Kiseki, montiert auf einem Goldmund Reference Laufwerk, liefert seine Signale an den Phonoverstärker Goldmund Mimesis PH3.8 NEXTGEN. Die digitalen Informationen des CD-Transports Goldmund Mimesis 36 wie auch die digitalen Signale des roon-Client werden über einen Goldmund Mimesis 20H NextGen digital gewandelt. Sowohl die Analog- wie auch die Digital Sektion liefert ihre Signale an den Vorverstärker der Anlage der zurzeit aus einem Goldmund Mimesis 27.8 besteht.

Der Klangeindruck

Als ich den Raum betrat lief bereits leise Hintergrundmusik. Und bereits diese leisen Töne waren sehr beeindruckend. Phil Collins trommelte sich ein wenig im Hintergrund warm. Nur hatte ich den Eindruck dass sich Herr Collins persönlich hinter den Lautsprecher befand. Unfassbar wie es möglich sein kann einen Musiker dermaßen real in den Raum zu platzieren. Dieser Effekt einer körperlich korrekten Raumdarstellung in allen Dimensionen sollte mich den ganzen lieben Abend begleiten.

Da wir nicht auf Hintergrundlautstärke verblieben wurde es immer interessanter.

Beim Durchhören einer meiner Lieblingsstücke von der „Club for Five“ CD (Titel: „Brothers In Arms“) wurde mir ganz anders. Die Apogee Grand holographierte die finnische ACapella Gruppe, bestehend aus 4 Einzelsängern in einem nach vorne offenen Halbkreis und stellte in den Schnittpunkt des Halbkreises das verbleibende 5 Gruppenmitglied. Das komplette Ensemble stand deutlich hinter den Lautsprechern. Die komplette Bühnendarstellung war wie festgenagelt. Und was ich noch nie erfahren durfte war die körperlich klar differenzierte Darstellung eines jeden Sängers. Man sah förmlich die Umrisskontur eines Körpers und wie daneben der nächste Körper stand. Und das Ganze in allen räumlichen Dimensionen. Das Klangbild baute sich in der Breite, in der Tiefe und vor allem in der Höhe vor einem auf. Und das war nur die Raumdarstellung. Die stimmliche Darstellung der Gruppe war dann das nächste Highlight. Man hörte Stimmen und man sah sie. Florian, auf meine Wahrnehmung angesprochen, erklärte mir dass er sich schon mehrfach erschreckt hat, weil er beim Hören der Musik dachte das sich Dritte im Raum aufhielten. Die Musik löste sich komplett von beiden Lautsprechern und baute ein ziemlich beindruckendes reales Gesamtszenario vor einem auf.

„Wie schaut es denn bei den Apogee mit der Grobdynamik aus?“ war meine etwas provozierende Frage an den neben mir sitzenden Florian. Hätte ich mal nicht gefragt. Pegel auf und entsprechende Musik drauf. Leider weiß ich gar nicht mehr was mir anschließend um die Ohren gedroschen wurde. Ich kann nur noch sagen, dass ich eine enorm schnell agierenden Bass und Tiefbassbereich erleben durfte. Hierzu muss man wissen, dass die Hauptlast des Tieftonbereiches ab bzw. bis 35 Hz. durch das Tieftonpanel und nicht durch die Subwoofer abgedeckt wird. Und das Tieftonpanel ist nun mal ein Folie. Und die Folie ist teuflich schnell. Und wenn auf dem vorliegenden Musikmaterial wirkliche Tieftonkost vorhanden war dann legten die 4 12 Zoll Tieftöner noch mal eine gehörige Schüppe drauf. Beeindruckend. Einfach nur beeindruckend. Man könnte jetzt aber noch feststellen dass bei der Apogee Grand der Bassbereich unter 35 Hz, laut Spezifikationen kommt sie bis 18 Hz, nicht zu den ganz großen Stärken gehört. Hier gibt es sicherlich noch andere Extrem-Systeme die in Dynamik und physikalischer Brutalität zulangen können. Dennoch, die Apogee legt in Sachen Bassqualität und Dynamik eine unerwartete Qualität an den Tag. Vor allem war der berühmt berüchtigte Bassbruch zwischen Tieftonpanel und Subwoofer während meiner Hörsession nicht wahrzunehmen.

Als nächstes wählte ich per roon eine Stockfish CD aus. Großer Fehler, ganz großer Fehler. Der Titel von Herr Taylor lief handgetoppte 5 Sekunden bevor ich mit meinem Zeigefinger die Notaustaste auf dem Tablet bediente. Also die Pausen-Taste. Ich drehte meinen Kopf entsetzt schauend in Richtung Florian, er wusste zu dem Zeitpunkt nicht welchen Interpreten ich gewählt hatte. Als sich unsere Auge kreuzten sprach er nur ganz trocken „Das war doch eine Stockfish, oder?“. Ich nickte.

Die Apogee fungierte wie eine Lupe und offenbarte in Sekundenbruchteilen das dieser Stockfish Titel extrem gemastert was. Wahnsinn. Es krachte förmlich zwischen den Lautsprecher. Als wenn jemand mit einem Werkzeug über das Mikro ging. Ich hatte instinktiv gedacht dass gerade irgendetwas am Setup kaputt gegangen wäre. War dem aber nicht so. Ich habe schon mehrfach von solchen „übermasterten“ Stockfish Platten gehört, aber wie sich das in der Praxis anhört erst heute erfahren.

Im nächsten Themenblock ging es um das Großorchestrale Musikgeschehen. Hier lauschten wir einer Aufnahme von „Les Miserables“. Auch hier war wieder diese genaue Bühnendarstellung vorhanden. Selbst bei mehreren Stimmen wie auch Orchstereinsatz blieb die Gesamtszene stabil und übersichtlich. Auch mit hohem Pegel veränderte sich der Gesamteindruck nicht. Das sind so Momente wo man natürlich auch an die hochwertige Endstufenelektronik denken muss. Da toben quasi 5 Endstufen an 5 Treiber pro Lautsprecher. Und offensichtlich hat die angeschlossene Elektronik die Treiber im Griff. Auch dieses Großformat war ein wahres Ohrenfestival. Eine Live-Darstellung kommt diesem Begriff mit diesem Setup ebenso nach wie die bisherigen Disziplinen.

Kommen wir nun zum letzten Punkt den ich mir über die Grand anhören dufte. Und zwar ging es um die Musik aus dem Zeitraum vor ca. 1995. Viele dieser Musikalben klingen auf modernen Musiksystemen flach und langweilig. Die Grand konnte aber auch in dieser Disziplin überzeugen. Wir hatten unter anderem die Doors auf dem CD-Teller. Und auf diesem Setup klang das einfach genial. Man meinte man hätte eine moderne Aufnahme auf dem Teller. So vielschichtig und lebhaft habe ich die alten Klassiker selten gehört. Überhaupt, das eine Anlage Musik aus beiden Welten so darstellen kann ist eine absolut seltenes Phänomen. Aber auch in diesem Punkt ist sicherlich die Elektronik nicht ganz unschuldig an dem Gesamtergebnis.

Mein Fazit

Um es kurz zu machen: Die 1.500 km haben sich in jedem Punkt gelohnt.

Ich durfte ein System erleben das man sicherlich nicht jeden Tag angeboten bekommt. Es wurde eine musikalische Gesamtsituation vorgefunden die in ihrer Detailtiefe und (Umsetzungs-) Konsequenz mir so noch nicht vorgekommen ist.

Und was ein 30 Jahre alter Lautsprecher in dieser Qualität mit dieser Elektronik musizieren kann ist gar nicht hoch genug anzurechnen.

Ich möchte mich bei meinem Gastgeber für die mit geschenkte Zeit nochmals herzlich danken. Das war ein Fest für mich und meine Sinne. Danke.

Die Analoge Sektion im Bild

Die Digitale Sektion im Bild